INKA-Tagung: Idee und Wirklichkeit

Idee und Wirklichkeit

Ist eine zeitgemäße Begründung der geistigen Realität von allgemeinen Begriffen und Ideen weitgehend unbemerkt schon erfolgt? 

Öffentliches Arbeitstreffen des Achberger Instituts im Internationalen Kulturzentrum Achberg

8.-11. Mai 2016
 

Zum Tagungsgeschehen

Tagungsbeginn am 8. Mai um 20:00 Uhr
Abschluss mit der Abendsitzung am 11. März 

Arbeitszeiten:

10.00 – 13.00 Vormittagsblock
16.00 – 18.30 Nachmittagsblock
20.00 – 22.00 Abendblock

Weitere Literatur zum vertiefenden Studium:

Zum Vergleich mit den angegebenen Stellen aus Steiners „Rätsel der Philosophie“ kann man z.B. in die „Kleine Weltgeschichte der Philosophie“ von Hans Joachim Störig hineinschauen:

Hilfreich aber keine Voraussetzung für das Arbeitstreffen im Mai sind Kenntnisse aus den erkenntniswissenschaftlichen Schriften von Rudolf Steiner:

„Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung“ (GA 2),

„Wahrheit und Wissenschaft“ (GA 3),

„Die Philosophie der Freiheit“ (GA 4), 

„Goethes Erkenntnisart“, also das VI. Kapitel aus Rudolf Steiners „Einleitungen zu Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften“ (GA 1) sollten wir zur Kenntnis genommen haben. Daraus stammen die unten angefügten Zitate zur Idee und Wirklichkeit.

Auf die Pfingstvorträge Rudolf Steiners vom 22. – 24. Mai 1920 zur „Philosophie des Thomas von Aquin“ (GA 74) werden wir Bezug nehmen. Für diejenigen, die sich in das Thema vertieft einarbeiten wollen, seien sie hier genannt. 

Das gleiche gilt für die Kapitel zum Universalienproblem in der Schrift von Herbert Witzenmann: „Die Kategorienlehre Rudolf Steiners“, Krefeld 1994. Gleiches gilt auch für die Kapitel „Thomas von Aquin“ und „Die Enzyklika Aeterni Patris vom 4. August 1879“aus Karl Heyers Buch: „Vom Genius des Mittelalters“ Kreßbronn 1961, 2. Auflage Basel 1990.

Auch bei Wikipedia findet man einen umfangreichen Text zum Universalienproblem

Zitate Rudolf Steiners:

"Wer dem Denken seine über die Sinnesauffassung hinausgehende Wahrnehmungsfähigkeit zuerkennt, der muss ihm notgedrungen auch Objekte zuerkennen, die über die bloße sinnenfällige Wirklichkeit hinaus liegen. Die Objekte des Denkens sind aber die Ideen. Indem sich das Denken der Idee bemächtigt, verschmilzt es mit dem Urgrunde des Weltendaseins; das, was außen wirkt, tritt in den Geist des Menschen ein: er wird mit der objektiven Wirklichkeit auf ihrer höchsten Potenz eins. Das Gewahrwerden der Idee in der Wirklichkeit ist die wahre Kommunion des Menschen. 

"Das Denken hat den Ideen gegenüber dieselbe Bedeutung wie das Auge dem Lichte, das Ohr dem Ton gegenüber. Es ist Organ der Auffassung.“ 

"Diese Ansicht ist in der Lage, zwei Dinge zu vereinigen, die man heute für völlig unvereinbar hält: empirische Methode und Idealismus als wissenschaftliche Weltansicht. Man glaubt, die Anerkennung der ersteren habe die Abweisung des letzteren im Gefolge. Das ist durchaus nicht richtig. Wenn man freilich die Sinne für die einzigen Auffassungsorgane einer objektiven Wirklichkeit hält, so muß man zu dieser Ansicht kommen.“

Rudolf Steiner: Einleitungen zu Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften, (1883/97) GA 1, Im Kapitel VI: Goethes Erkenntnisart.

„Unter Begriff verstehe ich eine Regel, nach welcher die zusammenhanglosen Elemente der Wahrnehmung zu einer Einheit verbunden werden. Kausalität z. B. ist ein Begriff. Idee ist nur ein Begriff mit größerem Inhalt. Organismus, ganz abstrakt genommen, ist eine Idee.“

Rudolf Steiner: „Wahrheit und Wissenschaft“ (1892), GA 3, Im IV. Kapitel: Die Ausgangspunkte der Erkenntnistheorie.

Im Mai 2016 befassen wir uns mit einem ideellen Bereich, den wir unter einem anderen Aspekt zuvor während der Achberger Ostertagung – „Wie kommt die Liebe in die Welt? - Von der Spiritualisierung der Intelligenz.“ – thematisiert haben.

Wir befassen uns nun in gewisser Weise mit den philosophischen Grundlagen, die in der Ostertagung vorausgesetzt worden waren. Dabei versuchen wir, einerseits den Grundgedanken, den Rudolf Steiner in seinen erkenntnistheoretischen Schriften und in anderen Texten, in denen er diesen Grundgedanken in verschiedenen Variationen formuliert, durch die Beobachtung unserer eigenen Denkaktivität erlebend zu erfassen.

Andererseits versuchen wir nachzuvollziehen, wie es dazu kam, dass um diesen Grundgedanken in der Philosophiegeschichte im Mittelalter in dem sogenannten „Universalienstreit“ so stark gerungen wurde und warum er in der Neuzeit zunehmend an Relevanz verloren hat.

Der Versuch Steiners, ihm neue Relevanz und Tragfähigkeit für die Wissenschaft zu geben, hat bisher noch wenig Anklang gefunden. So werden die Versuche anthroposophisch orientierter Fachwissenschaft – wie z.B. die Medizin – es auch weiterhin schwer haben, von der nominalistisch orientierten, akademisch geprägten Fachwissenschaft eine wissenschaftliche Anerkennung zu erlangen, wenn sie nicht den Universalienstreit auf der neuen Grundlage offen austragen. Ist Steiners Erkenntnistheorie nicht die Grundlage, die den Begriffsrealismus erfahrungswissenschaftlich neu begründet, und damit auch der gesamten neuen Wissenschaft vom Geist elementar ein neues sicheres Fundament gibt?

So veranstaltete z.B. die medizinische Sektion vom 11.03. - 13.03.2016 ein Kolloquium am Goetheanum zum Thema: „Was können wir unternehmen, um von medizinischer Seite aus einen Beitrag zu leisten für die wissenschaftliche Akzeptanz der Anthroposophie in der akademischen Welt und die damit verbundene Zitierfähigkeit Rudolf Steiners.“ (Siehe ››› pdf der Einladung)

In Sinne dieser Fragestellung findet man auch in der anthroposophischen Monatszeitschrift „die Drei“ Artikel, in denen Autoren die Nähe zu anderen Philosophen und zeitgenössischen Bewusstseinsforschern suchen, um wissenschaftliche Anschlussfähigkeit zu bekräftigen.

So versucht der Autor Johannes Wagemann in der Februarausgabe 2016 mit seinem Beitrag „Anthroposophie und Bewusstseinsforschung“ im Verständnis, wie es Herbert Witzenmann in seiner „Strukturphänomenologie“ von der Erkenntniswissenschaft Rudolf Steiners entwickelt, eine mögliche Annäherung an die zeitgenössischen Bewusstseinsforscher Jerome Bruner und Claire Petitmengin aufzuzeigen. In der Märzausgabe 2016 versucht die Autorin Iris Henningfeld in ihrem Beitrag „Zu den Sachen selbst. Horizonte wissenschaftlicher Anthroposophieforschung“ mit Hilfe der Phänomenologie Edmund Hussels nachzuweisen, dass Christian Clemens in der Einleitung des von ihm herausgegebenen 5. Bandes der „Rudolf Steiner – SKA“ einen psychologischen Reduktionismus vertritt, den schon Husserl kritisiert hat. Sie versucht in erkenntnistheoretischer Hinsicht, die sie dabei in ihre Argumentation einbringt, eine Nähe zwischen Steiner und Husserl aufzuzeigen.

Diese weiterführenden Gedanken benötigen wir nicht für unsere grundlegende Annäherung an das Verhältnis von Idee und Wirklichkeit. Sie zeigen aber die Aktualität des Themas. Ebenso die Tagung zu Pfingsten 2016 zum Thema. „Aristoteles - Thomas von Aquin – Rudolf Steiner“ die die Akanthos Akademie in Zusammenarbeit mit der Anthroposophischen Gesellschaft Stuttgart aus Anlass des 2.400 Geburtsjahres des Aristoteles veranstaltet.

Da die Kenntnis vom grundlegenden Unterschied zwischen der Philosophie des Platon und des Aristoteles hilfreich ist, um die beiden unterschiedlichen Begriffs-Realistischen Positionen zu verstehen, gegen die sich der aufkommende Nominalismus im Universalienstreit stellt, empfehle ich die Kenntnisnahme der wenigen Seiten, auf denen Steiner im 1. Bd. der „Rätsel der Philosophie“ (GA 18) diesen Unterschied sehr klar kennzeichnet (Siehe dazu im Kapitel „Die Weltanschauungen der griechischen Denker“ die Beschreibung zu Sokrates, Platon und Aristoteles). Und ebenda zum Universalienstreit im Kapitel: „Die Weltanschauung im Mittelalter“.

Für die Tagungsvorbereitung verantwortlich: Herbert Schliffka mit Gerhard Schuster

>> Anmeldung (auf der Webseite des Humboldt-Hauses)

Bei Fragen: 
tagungsvorbereitung@kulturzentrum-achberg.de

Kosten inklusive Tagungsgebühr und Vollpension pro Tag bzw. Übernachtung:

Einzelzimmer: € 60.- | Doppelzimmer: € 50.- | Mehrbettenraum: € 40.- | Zelt: € 35.-

Nur Vollpension ohne Übernachtung: € 24.-

Bei Buchung ohne Unterkunft oder Verpflegung, Tagungspauschale : € 10.-

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